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Prag – Marzipandecke über der Stadt

by Estefania

Stadt von oben

Schon viele Jahre stand Tschechiens Hauptstadt Prag auf meinem Städtereisenwunschplan. Viele Freunde und Bekannte schwärmten von der außergewöhnlichen Altstadt und ihren verwinkelten Gassen und priesen gleichzeitig die Qualität des Bieres. Mein Ziel war es den Wahrheitsgehalt dieser Lobpreisungen zu erkunden.

Bei der Recherche des passenden Transportmittels nach Prag (jeder riet ausnahmslos davon ab mit dem eigenen Auto anzureisen) fand ich bald heraus, dass es eine günstige Busverbindung gab, die praktisch vor meiner Haustür startete. Für ca. 15 € p.P. konnte ich die Hin-, für knapp 25 € p.P. die Rückfahrt buchen. Ein außerordentlich niedriger Preis, bei dem ich eventuelle Unzulänglichkeiten einplante. Extrem ins Staunen versetzte mich daher, dass der Bus nach einer 5 1/2-stündigen Fahrt planmäßig um 13:55 Uhr im Busbahnhof von Prag stoppte. Ich war nicht mal in der Lage mein zu der Zeit verschriebenes Antiobiotikum so pünktlich einzunehmen, wie der Fahrer das Ziel erreichte.

Da der Busbahnhof etwas entfernt von unserem Hotel lag, kauften wir zuerst ein 3-Tages-Ticket für Bus und Bahn. Nachdem wir an der richtigen Metrostation ausstiegen aber erst mal in die falsche Richtung liefen, kamen wir ganz ohne Google Maps, dank fußläufigem Trial and Error-Verfahren, gegen 15 Uhr an unserem Hotel, in einer Nebenstraße, an. Die Zimmer des 4-Sterne-Hotels waren einfach aber zweckmäßig eingerichtet. Glücklicherweise lag unser Zimmerfenster in Richtung eines ruhigen Innenhofs und war nicht der mehrspurigen Straße auf der anderen Seite zugewandt.

Kirche_Maria vom SiegeDa das Hotel sehr zentral und in der Nähe des Náměstí Míru, einer der Haltepunkte der Tram 22 gelegen war, die eine Romanautorin einst als schönste Straßenbahnstrecke der Welt beschrieb, zog es uns als erstes zu dieser Station um genau jene Tram zu besteigen. Kaum hatten wir in der Bahn Platz genommen, passierten wir nach wenigen Minuten die berühmte Karlsbrücke und schlängelten uns danach weiter durch imposante Teile der Innenstadt bis wir Bílá Hora, die Endstation, erreichten.

Am westlichen Stadtrand Prags angelangt, erkundeten wir eine nahegelegene gelblich strahlende Kirche. Neben dem Hauptgebäude der Wallfahrtskirche Maria vom Siege stachen mir vor allem die farbenprächtig verzierten Deckengewölbe der Seitengänge ins Auge. Kurz nach unserer Ankunft schlugen die Kirchenglocken zur vollen Stunde.

 

KlostergangWährend die letzten Schläge noch kraftvoll erklingen, schaltet sich die Sirene eines Polizeiautos dazu und verhallt erst einige Zeit nach den Glockenschlägen.

KreuzschattenWir fuhren wenige Stationen zurück und stiegen nahe der Prager Burg aus. Die kühlen Temperaturen verführten uns zur Einkehr in einem gemütlich und heimelig eingerichteten Café nachdem wir an einigen interessanten kleinen Läden vorbei geschlendert waren. Unsere kulinarische Nachmittagswahl fiel auf eine Himbeersahnetorte mit Marzipandecke. Ein himmlisch köstlicher Genuss. Prag hatte mich.

Kuchen_Cafe

Draußen dämmerte es langsam als wir einen langen mit Kopfstein gepflasterten steilen Weg hinab in Richtung Karlsbrücke gingen. Dank des nasskalten Wetters war die Brücke nicht übermäßig stark besucht. Einige Maler und Musiker und angenehm wenige Touristen hielten sich hier auf. Wir flanierten über das historische Pflaster und bewunderten die atmosphärisch beleuchteten und perfekt in Szene gesetzten Statuen am Brückenrand.

Hinter uns lag die Prager Burg, vor uns die Altstadt, auf die wir nun Kurs nahmen. Hier tummelten sich überraschenderweise unzählige Menschen und die Restaurants platzten aus allen Nähten. Wir beschlossen den Abend entspannt ausklingen zu lassen und aßen dort, wo wir Platz fanden ohne anstehen zu müssen – bei einem Vietnamesen.

Weg zur Brücke


Istanbul – Ein Miniatur-Abriss in Klang und Bildern

by Estefania

Pegasus Schönefeld

Schönefeld – Istanbul, die Reisedauer mit der türkischen Fluggsellschaft soll 2:35 h betragen. Das Wort Verbot ist scheinbar auch für Pegasus Airline erziehungstechnisch zu negativ konnotiert. In der Durchsage für die Fluggäste wird nach der Vorstellung der Kapitäne das Rauchen für heute kurzerhand abgesagt und nicht untersagt. Wo kein Verbot, da kein Reiz etwas Verbotenes zu tun…

Wolkendecke

Brücke über den Bosporus

Zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee bietet sich mir am frühen Abend ein ganz besonderes Konzert: Während des Feierabendverkehrs ertönt simultaner Muezzingesang aus allen Himmelsrichtungen, während in unmittelbarer Nähe eine Alarmanlage in die Gesänge fällt. Kurz darauf folgt eine eindringlich kreischend präsente Sirene, die von einem vorbeifahrenden LKW weggetragen zu werden scheint. Die dichten, fast schon schwer aushaltbaren Klangflächen lösen sich langsam wieder, bis letztentlich ein einzelner Muezzin übrig bleibt.

Moschee Innenhof Regen

Im Regen lässt sich nicht so gut per Karte navigieren. Wir sind auf der Suche nach einer bestimmten Moschee und treffen zwei Touristen aus Indien, die dasselbe Gebäude suchen. Gemeinsam stellen wir fest, dass wir wohl vor der falschen Moschee stehen, sind uns aber uneinig ob das gesuchte Gotteshaus östlich oder westlich von uns liegt. Wir verlieren uns im Regen, weil jeder seine favorisierte Richtung anstrebt und landen schließlich unter den Arkaden eines Innenhofs einer anderen Moschee. Hier können wir durchatmen, eine neue Route planen und den Kauf eines Schirms überdenken. Sollte es kurzerhand aufhören zu regnen, trügen wir unnötigen Ballast mit uns herum.

Es hängt an der Wandfliese

Mit unseren Schals, die sich als multifunktionsfähig erwiesen, betraten wir ein prächtiges Gotteshaus während des Mittagsgebets und folgten der hallenden Stimme des Muezzins.

Moscheebesucherinnen


Mann am WebstuhlInstrumentenladen

Möwen über IstanbulBlick auf Meer

Blick bei Sonnenuntergang

Wir unternehmen eine Schifffahrt zu einer Inselgruppe im Maramameer. Die Prinzeninseln befinden sich auf der asiatischen Seite Istanbuls. Während der Fahrt  wird mir zum ersten Mal die Dimension der Millionenstadt bewusst. Umso weiter wir auf´s Meer hinaus fahren, umso besser ist zu sehen, welch riesige, fast unüberschaubare Fläche Istanbul umfasst. Auf der Insel angekommen, bemerken wir auffällig viele Katzen. Nachdem wir uns auf Empfehlung ein Fischbrötchen gekauft haben, umzingeln uns nach kurzer Zeit 6 bis 10 dieser Tiere. Sie positionieren sich wartend vor uns. Als mir ein Zwiebelring vom Brötchen fällt, schießen weitere Artgenossen blitzschnell unter einem Auto hervor, um die auf dem Boden liegende Beute zu ergattern.

Türme einer Moschee

Frau auf Bank


Transparente Schirme & Blätterteig mit grünem Kern

by Estefania

Baklava mit grünem KernBlick auf Palme vor Hagia Sophia

Ich sitze auf einer hölzernen Bank, esse einen Sesamkringel und beobachte eine schwarze Katze, die auf einem Baum sitzend, ihr Maul aufgeregt öffnet und schließt. Ihr Blick geht in Richtung einer Gruppe von Tauben und Möwen, die sich auf dem grünen Rasen entspannt einigen stattlichen Brotstücken widmen. Kein hektischen Picken, kein nervöses Zerren an der Beute. Es ist genug für alle da. Die Katze hat sich inzwischen auf Höhe der Vögel herunter bewegt und lauert ihnen hinter einer kleinen Hecke, die kaum ihren halben Körper bedeckt, auf. Weder Vertreter der Gattung Taube noch Möwe scheinen sich durch sie gestört zu fühlen. Es könnte daran liegen, dass die Körpergröße der Katze kaum die ihrer vermeintlichen Beute überragt. Sie wagt keinen Angriff obwohl die Tiere nur noch wenige Zentimeter von ihr entfernt sind. Der parkähnliche Platz zwischen der Blauen Moschee und der Hagia Sophia ist ein schmuckes Revier für diese Tiere. Kleine geschwungene Metallbögen trennen den grünen Bereich von dem gepflasterten Terrain, auf dem sich vornehmlich Touristen tummeln. Als Stadttiere an den Geräuschpegel der vorbeifahrenden Autos und Busse, der sich lauthals zurufenden Menschen und der sich im Gesang an verschnörkelten Tonhöhen zu überbieten versuchenden Muezzine, gewöhnt, können sich diese Tiere unbehelligt der Menschenmassen frei bewegen. Gern gesehen sind dennoch liegen gelassene Leckereien der Zweibeiner. Da ich an einem regnerischen Tag fernab der Hauptsaison hier bin, genieße ich die Abwesenheit der in den Reiseführern prognostizierten Touristenströme, lausche den hochtönenden Gebetsklängen, bestaune unterschiedlichste Modelle von Regenschirmen – wobei transparentes PVC dominiert – und erfreue mich an der Präsenz der Tiere.

Sonnenuntergang Brücke über BosporusRegenschirm vor KassenhausHagia Sophia Decke

Gestärkt vom recht krossen Sesamsamengebäck, entscheide ich mich dafür, einen Blick ins Innere der Hagia Sophia zu werfen. Weltkulturerbestätten sollten besichtigt werden, vor allem wenn sie nur wenige Meter von einem entfernt sind und gleichzeitig Schutz vor Regen bieten.

Hagia Sophia Blick durch TürHagia Sophia Kronleuchter

Bei spät abendlicher Ankunft am Flughafen Istanbuls und anschließender Fahrt in einem Taxi, verliere ich kurzzeitig den Glauben an die Schönheit dieser Stadt. Während sich meine Begleitung nicht davon abhalten lässt, für 21 Türkische Lire (ca. 7 EUR) einen Big King Burger zu kaufen, um damit die Abwesenheit von inkludiertem Essen bei Pegasus Airlines auszugleichen, checke ich die Gebühren für den angebotenen Shuttle-Service aus und befinde diesen für zu teuer. Da wir keine alternative Transportmöglichkeit sehen, steigen wir in das Taxi, dessen Fahrer selbstredend unser Gepäck greift und mit Bestimmtheit in seinem Kofferraum verstaut.  Er fragt nach unserem Zielort und entgegnet uns daraufhin, er kenne weder das Hotel noch wisse er wo die Adresse sei und fordert uns auf, diese zu googeln. Dafür stellt er uns netterweise sein Smartphone zur Verfügung. Eine Markierung bei Google Maps vor Augen, hält der Taxifahrer am Straßenrand an, um zu überlegen, wie er am besten fahren solle. Während wir auf einer großflächigen Markierung halten und die rote Digitalanzeige des Taxameters fortwährend neue Zahlen schreibt, wachsen in mir Unruhe, Ungeduld und Argwohn. Wenn man in eine fremde Stadt kommt und dort in ein Taxi mit passendem Landes- und Städtekennzeichen steigt, hofft man auf einen ortskundigen, trotz eventueller Ahnungslosigkeit Souveränität ausstrahlenden vorübergehenden Begleiter.
Blick auf Häuserwand

Vor allem, wenn man der Landessprache nicht mächtig ist, um sich erklären zu können. Der Taxifahrer versucht nicht ansatzweise seine eigene Unsicherheit zu verbergen. Google Maps dient ihm als selbstverständliches Navigationsgerät und schon bald können wir die Bushaltestelle verlassen auf der wir in Zeiten der Planlosigkeit parkten. Er fährt drauf los, da alle Richtungen zunächst in eine Richtung führen – weg vom Flughafen. Google Maps stellt sich als ungünstige Methode zum Navigieren heraus, da er beim erforderlichen Blick auf den Bildschirm schlecht telefonieren kann, was scheinbar eine seiner großen Leidenschaften ist. Deshalb ruft er kurz jemanden an, um zu erfahren, wohin er uns fahren muss und legt die restliche Fahrt sein Handy nicht mehr aus der Hand, außer um den nächstmöglichen Gesprächsteilnehmer aus seiner Kontaktliste auszuwählen. Dreiste Spurwechsel- und Drängelmanöver von unzähligen Autos und Bussen auf einer circa achtspurigen Straße lenken mich zwischendurch von meinem nun weitgehend unentspannten Zustand ab. Wir passieren eine riesige Brücke und der Fahrer unterbricht kurz sein Telefonat, um uns zu sagen, dass wir in diesem Augenblick die asiatische Seite hinter uns lassen. Mit rasantem und unaufhörlichem Anstieg des Taxameters schlägt meine positive Ankunftsaufregung in Ernüchterung um, vor allem beim Anblick der kargen Betonwüste zur rechten und linken Seite der Schnellstraße.

Beton und KranWir passieren vorwiegend mehrstöckige Betonklötze. Ein Plattenbau reiht sich hier an den nächsten. Es ist, als würde man gleichzeitig durch ein Industriegebiet und ein Viertel für Sozialwohnungen fahren, wenig orientalisch.

Vor der Reise informierte ich mich bezüglich der Durchschnittskosten einer Taxifahrt vom Flughafen zu unserem Hotel. Das Taxameter hat den üblichen Preis inzwischen bei Weitem überschritten. Dafür baut der Fahrer in seine Route immer kreativere Schlenker ein, sodass selbst ein Ortsfremder anhand der Wegweiser erkennen kann, dass wir hübsche Bögen um das eigentliche Ziel fahren. Wie ärgerlich, wenn man merkt, dass man abgezockt wird und dies nicht in der Landessprache kommunizieren kann. Sein Englisch ist sehr schlecht. Die internationale Zeichensprache für „Könnten Sie uns bitte nicht übers Ohr hauen“ ist mir leider entfallen. Ich frage ihn hingegen mit einfachen und klaren Worten, die sich mittlerweile mit Wut paaren, ob er scherze, nachdem er endlich vor unserem Hotel hält – ja, es trägt den korrekten Namen – und einen utopischen Betrag nennt, den wir ihm zu zahlen hätten. Auf den dreistelligen Betrag, der in der Nähe seines Lenkrades angezeigt wird, schlägt er zusätzliche Mautkosten, die preislich nichts mit der real gezahlten Maut zu tun haben, sowie eine Art Servicesteuer für seine Dienste, die sich auf fast 10 EUR belaufen. Ich versuche mit ihm zu diskutieren. Er zitiert den Hotelmanager heran, welcher dafür sorgt, dass wir nicht den vollen Preis zahlen müssen. 10 Minuten, eine Zigarette, sowie ein Willkommensdrink später, erfahren wir, dass es eine Beförderungsmöglichkeit gegeben hätte, mit der wir nur ein Zehntel des Taxispaßpreises gezahlt hätten – ein Bus ab Taksim. Das merken wir uns für die Rückreise vor. Jetzt wollen wir endlich einchecken.
Angekommen in unserem Zimmer im 7. Stock, genießen wir den Blick durch die große Fensterfront nach draußen. Nachdem wir ein kastenförmiges Hochhaus vor uns bemerken, das unseren Weitblick etwas eingrenzt, erregt ein permanentes Klopfen, was aus dem Bad zu kommen scheint, unsere Aufmerksamkeit. [Tbc]

Zimmerfenster 706

Straße vor dem Fenster


Ein Hoch auf den Kaktus III

by Estefania

Schotterpiste nach Watamula

In Westpunt verwies ein Schild mit der Aufschrift Watamula in Richtung einer Schotterpiste. Hier konnte die Ente erneut ihre Geländetauglichkeit unter Beweis stellen. Nach gefühlten drei Kilometern Fahrt durch die Pampa musste doch nun langsam etwas auf die Sehenswürdigkeit hinweisen, der wir uns nähern sollten. Weder ein Wegweiser, noch irgendwelche anderen Zeichen deuteten darauf hin; ein Leuchtturm war auch nicht in Sicht. Langsam stellten sich Zweifel ein ob wir nicht eine unscheinbare Abbiegung verpasst haben könnten und nun auf dem Weg zu einer Sammelstelle für Drogenkuriere oder ähnlichem waren. Zur Erklärung: Im Vorfeld der Reise lernte ich durch eine Dokumentation auf dem NDR, dass Curacao durch die Nähe zu Südamerika und direkte Flugverbindungen nach Europa eine Drehscheibe des panatlantischen Drogenhandels und ein Brennpunkt für Schmuggel aller Art Watamulaist. Selbst die Armee patroulliere mit Hubschaubern über der Insel. Dieser Info erinnerte ich mich in diesem Moment und war doch sehr erleichtert, als ein schlichtes Schild das Erreichen des Zielortes signalisierte. Nun ging es zu Fuß weiter. Ein paar Meter hinter den weiß lackierten Eisenstangen erstreckte sich ein kilometerlanger Küstenabschnitt mit dunkel gefärbtem Kalkstein. Die Wellen schlugen hier mit ihrer ganzen Kraft gegen die Klippen und türmten sich zu beeindruckenden meterhohen Fontänen, die im Wind zerstäubten und für feinperlige Abkühlung sorgten. Durch einige Löcher im Gestein blubberte das Meerwasser in sprudelnden Intervallen blasenartig hervor, als wäre es ein riesiger natürlicher Whirlpool. Der Anblick dieser Naturgewalt fesselte so sehr, dass die intensive Mittagssonne fast unbemerkt auf uns niederbrannte. Auf den Kalksteinen lagerte sich in einigen Kuhlen, die nur temporär mit dem Wasser in Berührung kamen, eine dünne Schicht von Salzkristallen ab. Mehr oder weniger gut erkennbare große und kleine Korallenreste tauchten über die gesamte Fläche auf. Man befand sich hier auf einstigem Meeresgrund, der aufgrund von Absenkungen des Meeresspiegels begehbar war.Watamula Geysir

Watamula Korallen

Watamula

Watamula KalkgesteinWatamula Loch

 

 


Ein Hoch auf den Kaktus II

by Estefania

Unsere Unterkunft war mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet. Hinter der Veranda, die sich als ausgezeichneter Ort zum Dinieren herausstellte, befand sich ein kleiner Pool, der uns nach den Reisestrapazen Erfrischung brachte. Da wir uns in den nächsten 14 Tagen selbst versorgen wollten, begaben wir uns zum nächst gelegenen Supermarkt. Bergab, bergauf, eine frei laufende Ziegenherde passierend und auf die geteerte Straße rechts abbiegend, erreichten wir einen Minimarket. Hier deckten wir uns mit dem Nötigsten für die nächsten Tage ein. Die lokalen Preise inspirierten zu genauer Kalkulation und gewissenhaftem Abwägen beim Einkauf.

Barber Kirche

Wir brachten unsere Einkäufe nach Hause und bereiteten uns mit Hilfe des Gasherdes ein schmackhaftes Abendessen zu. Während uns der Wind auf der Veranda in den Ohren säuselte, schmiedeten wir Pläne für den nächsten Tag.

Vorerst wollten wir uns ein besseres Bild von unserer näheren Umgebung verschaffen. Da der Bezirk Barber, in dem wir untergebracht waren, im nördlichen Teil der Insel liegt, wollten wir direkt den nördlichsten Punkt der Insel, Westpunt und die der Stadt nahe gelegene Sehenswürdigkeit Watamula in Erfahrung bringen. Am Noordpunt sollte sich laut Karte ein Leuchtturm befinden, den ich mir ebenfalls nicht entgehen lassen wollte.

Von Barber führte eine kaum befahrene Straße mit nur wenigen Schlaglöchern (man berichtete uns, dass wir Glück hatten, da ein paar Monate vorher um Weihnachten alle Straßen ausgebessert worden seien) in Richtung Westpunt. Auf dem Weg passierten wir das Landhaus Savonet.

Landhuis Savonet

Es ist eines von vielen Landhäusern, die im 18. und 19. Jahrhundert zur Kolonialzeit auf Curacao erbaut wurden. Sie dienten den Kolonialherren und ihren Haussklaven als Wohnstätte und bildeten den Mittelpunkt jeder Plantage. Meist wurden diese Häuser auf erhabenem Grund errichtet, damit anliegende Felder, benachbarte Plantagen und die dort arbeitenden Sklaven gut im Auge behalten werden konnten. Viele Plantagen dienten Orten und Stadtvierteln als Namensgeber. Die Landhäuser, die noch heute erhalten sind, erfahren eine vielfältige Nutzung. Ihr Verwendungszweck reicht von Museen und Kulturzentren über Künstlerateliers und Galerien, bis hin zum Rehabilitationszentrum, Restaurant oder Resort. Der berühmte Blue Curacao Likör wird in den Räumlichkeiten des Landhuis Chobolobo, in Willemstad gebrannt.

Das Landhaus Savonet, an dem wir einen kurzen Zwischenstopp einlegten, war einst für die Produktion von Wolle, Hülsenfrüchten und Holz bekannt. Am Eingang des Christoffel Parks gelegen, dient es als Ticketshop, Museum und idealer Ausgangspunkt für Touren durch den Nationalpark.
Weiter ging die Fahrt Richtung Norden. Mitten auf dem warmen Asphalt der Straße sonnten sich Leguane jeglicher Größe und Couleur. Einige ließen sich gar nicht vom tuckernden Motor der Ente irritieren und verharrten in ihrer Position. Andere wechselten die Straßenseite oder verschwanden in Büschen, kurz bevor das Auto auf ihrer Höhe war.

Leguan auf Haupstraße

Wir erreichten Westpunt ohne auch nur den geringsten Schwund bei der heimischen Leguanpopulation verursacht zu haben und hielten gegenüber einer Kirche an. Beim Blick über die nächste Mauer bot sich eine fantastische Sicht auf den Playa Piskado und seine friedlich ankernden Fischerboote. Playa Piskado war der erste Strand, den wir erblickten. Die unerwartete Aussicht auf den goldgelben Sand und das türkisblaue Meer setzte unweigerlich glückselige Urlaubsgefühle frei und erinnerte fast an Karibik Klischees. Während man auf einer einsam geteerten Landstraße vorbei an trockenen kakteenbewachsenen Landschaften und grünen Hügeln voller Hartlaubgewächse fährt, entsteht ein besonderer, neuer und einzigartiger Blick auf diese Gegend. Curacao bedient nicht die klassische Karibikfantasie von kilometerlangen puderweißen Stränden. Es ist vielmehr eine Insel, die eben viel mehr zu bieten als das und so das Auge des Besuchers gekonnt auf seinen Facettenreichtum lenkt. Das bestätigte unser nächster Halt: Watamula.

Playa Piskado

 

 

 


Ein Hoch auf den Kaktus I

by Estefania

Ein Hoch auf den Kaktus

Es war eine fixe Idee. Air Berlin bot am Tag meines Geburtstags vergünstigte Nonstop-Flüge in die Karibik an. Bis zum Abflug blieben gut vier Wochen. Ich würde pünktlich zum Start des neuen Semesters wieder in Deutschland sein. Im Rahmen meiner übermütigen Geburtstagslaune kam es bei Kaffee und Kuchen zur Buchung des Fluges. Mein Vorwissen zur Ziel-Insel fiel bis dahin recht bescheiden aus. Ich wusste, dass ein Getränk nach ihr benannt ist und dass ein ehemaliger Klassenkamerad von mir dort über einige Monate ein Praktikum in einer Tauchschule absolvierte. Dass die Insel ein Paradies für Taucher sei, erbrachte auch die Googleabfrage. Bevor es losgehen sollte, wollte ich mir noch ein paar Insidertipps meines Bekannten einholen. Gesagt, getan. Ich bombardierte ihn mit Fragen bezüglich Unterkünften, Sightseeing, seinen persönlichen Highlights vor Ort und Tauchspots, die er empfehlen könnte. Da es sich bei meinem alten Bekannten um einen sehr netten Menschen handelt, blieb keine meiner Fragen unbeantwortet (Danke, Christian!). Gefüttert mit immer mehr Informationen stieg die Vorfreude auf den Trip. Gleichzeitig bereute ich, dass ich im Sprachenzentrum meiner Uni letztes Semester keinen Niederländisch-, sondern einen Arabischkurs belegte.  Niederländisch in der Karibik? Ja, auf den niederländischen Antillen wäre dies, neben dem Erlernen von Papiamentu, einer auf den ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curacao) gebräuchlichen Kreolsprache, durchaus eine solide Basis für eine reibungslose Kommunikation gewesen.
Nun stand noch die Frage nach einem Dach über dem Kopf aus. Über airbnb gab es fabelhafte und bezahlbare Unterkünfte, nur waren die meisten so kurzfristig schon ausgebucht. Nach etwas intensiverer Suche fiel die Wahl auf eine Bleibe im Norden der Insel. In der Nähe des Christoffel-Nationalparks, nähe Barber wollten wir die ersten 9 Tage verbringen. Da wir uns das geschäftige Treiben rund um die Hauptstadt Willemstad nicht entgegen lassen wollten, buchten wir für die restlichen 5 Tage eine Unterkunft im südlichen Teil der Insel. Um die Insel nach Lust und Laune erkunden zu können und dabei nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein, die laut Reiseberichten zudem sehr unregelmäßig fahren sollten, mieteten wir über Ducks United einen Citroen 2CV, Baujahr 1981. Ich saß zum ersten Mal in einem Auto dieser Art und schloss es nach anfänglicher Skepsis schnell ins Herz. Mein Highlight war das Rolldach Verdeck, die hochklappbaren Fenster und die durchgehende vordere Sitzbank. Auch hervorzuheben ist die Klimaanlage, die durch das Auf- und Zuklappen von Lüftungsschlitzen unter der Frontscheibe aktiviert oder ausgeschaltet werden konnte.

Curacao Nummernschild 3 dreh

Ente Nummernschild

Nachdem die Koffer auf der Rückbank verstaut wurden, zückten wir die Google Maps Wegbeschreibung, die uns ohne Umschweife zur angemieteten Ferienwohnung führen sollte. Der Bezirk Dokterstuin war nach einer knappen halben Stunde geradeaus fahren erreicht. Jetzt galt es nur noch die passende Hausnummer zu finden. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass zwei aufeinanderfolgende Ziffern an völlig unterschiedlichen Plätzen in einem Bezirk liegen konnten. Das Problem war auch, dass es keine geteerten Straßen mit Beschilderungen gab, sondern nur der Bezirk einen Namen hatte und man dort wissen musste, wo sich die jeweiligen Hausnummern befinden. Logisch herleiten ließen sie sich zumindest nicht und uns konnte auch keiner der Nachbarn weiterhelfen. Entweder verstanden sie kein englisch oder für sie war das Nummernsystem ebenso wenig nachvollziehbar wie für uns. Die Häuser waren in relativ großen Abständen zueinander gebaut, sodass man teilweise die durch Kakteen begrenzte Schotterpiste bergauf und bergab fuhr, ehe das nächste Gebäude sichtbar wurde. Nach einer gut halbstündigen Irrfahrt über Stock und Stein kapitulierten wir und riefen unsere Vermieterin per Handy, welches nur im Notfall benutzt werden sollte, zu Hilfe. Sie fand uns glücklicherweise recht schnell um uns mit ihrem Auto zu unserer Herberge zu lotsen.

Garten

Freunde der SonneAussicht Dokterstuin

 


Estefanias Urlaubstipps Teil 1 – Ostsee

by Estefania

Blick vom Strand zur WestmoleJedes Jahr stehen Millionen von Menschen wieder vor der Frage wohin es dieses Mal in den Urlaub gehen soll. Neben einigen exotischen Zielen wie Bali, Koh Samui, dem Amazonas oder Timbuktu, zieht es die Massen doch meist an türkische, spanische, tunesische, bulgarische oder andere ferne Strände. Doch warum jedes Jahr durch einen Flug in fremde Länder den CO2- Ausstoß in die Höhe treiben, wenn es doch in heimischen Gefilden attraktive und abwechslungsreiche Strandlandschaften zu entdecken gibt.

So beispielsweise die Ostsee. Eines meiner Lieblingsziele an der Ostsee ist Warnemünde, nördlich von Rostock. Es hat selbst einiges zu bieten, eignet 30 Meter hoher Leuchtturmsich aber auch hervorragend als Ausgangspunkt für erlebnisreiche Ausflüge in der Gegend. Zu empfehlen ist auf jeden Fall ein abendlicher Spaziergang am Alten Strom mit seiner Vielzahl an Lokalen, kleinen Geschäften, Fahrgastschiffen und Fischkuttern. Ein wunderschöner alter und 30 Meter hoher Leuchtturm ist eine Art Wahrzeichen des Ortes.  Die sogenannte Westmole ist der gefühlt nördlichste Aussichtspunkt in Warnemünde und eignet sich hervorragend um das Meer grün-weiße Leuchtbakeund den regen Schiffsverkehr zu beobachten. Am Ende der 530 Meter langen Mole befindet sich die markante grün-weiße Leuchtbake. Diese ist auch vom Warnemünder Strand aus gut zu sehen. Es ist ein über 100 Meter breiter feiner Sandstrand, der im Sommer zum Baden, in den kühleren Jahreszeiten zum Spazieren einlädt. Die frische Meeresbrise, das ferne Kreischen der Möwen, die im Sand einsinkenden Füße…Entspannung und Glücksseligkeit.

 

schwebende Wale

Es lohnt definitiv ein Ausflug ins circa 80 km entfernte Stralsund, um dort das Ozeaneum zu besuchen. Es erhielt den Titel Europas Museum des Jahres 2010 und begeistert Jung und Alt mit seiner faszinierenden Unterwasserwelt. Es bietet dem Besucher eine europaweit einzigartige Reise durch die Unterwasserwelt der nördlichen Meere.  Atemberaubend wirkt der Anblick von scheinbar durch den Raum schwebenden Walen in Originalgröße.  Das größte Exponat weist eine Länge von 26 Metern auf. 

 

 

 

 

 

Ein noch auf andere Art sehr außergewöhnliches Erlebnis bietet der Bunker Eichenthal. Er wurde vor einiger Zeit geflutet und ist seit 2006 wieder begehbar. Hier lässt sich durch eine beeindruckende, sowie extrem beklemmende Simulation das Szenario eines Atomkriegs nachempfinden. Ein Besuch der definitiv in den Köpfen nachhallt.

 

Für Tier- und Naturfreunde empfiehlt sich die Fahrt ins 50 km entfernte Güstrow. Hier kann man die Bewohner der Raubtier-WG, namentlich Bären, Wölfe, Luchse und Wildkatzen beobachten. Außerdem leben hier Waschbären, Eichhörnchen und diverse Vogelarten. Das Eintrittsgebäude ist gleichzeitig Umweltbildungszentrum, welches Groß und Klein zum Interagieren einlädt. Es unterhält auf intelligente Art und Weise und lässt den sonst meist passiven Betrachter zum Akteur avancieren.

Eines meiner persönlichen Highlights in Warnemünde war definitiv der Besuch des Robben-Forschungszentrums. Es befindet sich im Yachthafen Höhe Düne. Hier kann man zusehen wie die auf einem ehemaligen Fahrgastschiff beheimateten Robben trainiert und gefüttert werden. Zusätzlich erfährt man durch die dortigen Forscher Details zur Umgangsweise mit den Tieren, deren Lebensweise und den Forschungsarbeiten. Die Robbenstation hat von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Ich hätte diesen wundervollen Tieren noch viel länger zusehen können.


Retrospektive – Frida Kahlo

by Estefania

Drei bis vier Tage wollten wir unsere Hauptstadt unsicher machen. Ein Tag davon sollte fest reserviert sein für einen Besuch der Frida Kahlo Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Die Vorfreude war riesig. Doch der ursprüngliche Plan löste sich spontan in Luft auf, als die potentiellen Übernachtungsmöglichkeiten doch keine freien Kapazitäten mehr aufzuweisen hatte. Nach dem kurzen aber heftigen Schock musste eine Alternative her. Frida musste einfach gesehen werden. Besonders reizvoll macht diese Ausstellung die Möglichkeit Kunstwerke aus mexikanischen Privatsammlungen, nordamerikanischen Museen und private Fotos aus dem Familienbesitz besichtigen zu können. Werke, die innerhalb Europas wahrscheinlich nicht mehr in naher Zukunft gesammelt zu finden sein werden. Somit einfach ein Muss für jeden Kunstinteressierten, Frida Kahlo-Begeisterten oder Liebhaber rarer Sammlungen.

Im Vorfeld war schon bekannt, dass die Wartezeiten etwas länger ausfallen könnten, da das Interesse an der Ausstellung enorm hoch ist. Am 30. April war Ausstellungsbeginn, am 09. August besteht die letzte Chance sie zu besichtigen. Da wir uns nun in der Endphase befinden ist der Andrang verständlicherweise besonders stark. Wir richteten uns mental auch darauf ein. Der neue Plan unseres Berlintrips war nun ein kostengünstiges Wochenendticket. Hin- und Rückfahrt für 37 EUR und zwei Personen erschienen günstiger als ein normales Zugticket oder auch eine Mitfahrgelenheit. Gesagt, getan: Um 5 Uhr morgens ging es am Bahnhof los, kurz vor 10 waren wir in Berlin.

Die Sonne schien und wir gönnten uns nach der anstrengenden Fahrt einen Kaffee an der Spree. Noch eine Zigarette und dann könnten wir gemütlich losmachen. Unsere Rückfahrt ging erst in 8 Stunden. Das Museum fanden wir fast auf Anhieb. Wie erwartet befand sich eine ordentliche Menschenschlange vor dem Gebäude. Wir passierten sie noch relativ optimistisch bis zur Hälfte um zu sehen wie weit es wirklich bis zum Eingang war. Dort stießen wir jedoch auf ein großes Schild, auf dem der Hinweis stand: „Ab hier kann die Wartezeit ca. 4-6 h betragen.“ Das ließ uns erstmal die Kinnlade runterklappen. Zusammengerechnet mit der Masse davor würden wir auf 8, wenn nicht sogar 12 Stunden Wartezeit kommen. Das Horroszenario, wir bekämen nach 7 Stunden ein Ticket und müssten aber innerhalb von 20 Minuten wieder am Hauptbahnhof sein, bewog uns dazu schweren Herzens auf die Ausstellung zu verzichten und das beste aus dem Tag zu machen. Noch ein kurzes Abschiedsfoto und dann sahen wir uns die kostenlose Ausstellung „Topographie des Terrors“ an, die wenige Meter weiter war.

Danach ging es in Richtung Potsdamer Platz, wo wir gleich von einer netten Liveband auf der Verkehrsinsel begrüßt wurden. Weiter ging es zum Brandenburger Tor, dem Adlon Hotel und dann zum beeindruckenden Holocaust Denkmal, welches zur Erinnerung und dem Gedenken an die Ermordung von 6 Millionen Juden erbaut wurde.

Auf dem Rückweg zum Brandenburger Tor kamen etliche Paparazzi an uns vorbei gestürmt. Da ist sicher mal wieder jemand Berühmtes im Adlon abgestiegen. Dort angekommen sahen wir auch eine Polizeisperre am Hintereingang des Hotels, der auch noch immer von vier Polizisten belagert wurde. Zu sehen war aber nichts Spannendes. Da wir mit dem Wochenendticket auch kostenlos den kompletten Nahverkehr nutzen konnten, beschlossen wir Berlin den Rücken zu kehren und nach Potsdam zu fahren um etwas Ruhe im Schlosspark zu suchen. Davon war bei Ankunft aber noch rein gar nichts zu spüren. Menschenmassen tummelten sich rund um den Bahnhof und vor allem in den Straßenbahnen. Schnell erfuhren wir auch warum: es fanden die Weltmeisterschaften der Marching Show Bands statt. Wohl ein großes Ereignis, das dementsprechend Leute anzog. Uns blieb aber nichts anderes übrig als uns auch in eine der überfüllten Bahnen zu quetschen und bis zum Luisenplatz in die Nähe des Schlossparks zu fahren. Dort angekommen sahen wir auch schon die bunt gekleideten Spielmannszüge.

Auf Schloss Sanssouci fokussiert, passierten wir diese aber schnell und traten in den Schlosspark ein, in dem sich weit weniger Menschen aufhielten als in der Stadt. Wir ließen uns verzaubern vom Charme der Friedenskirche, des Chinesischen Teehauses, der Orangerie und natürlich des Hauptschlosses Sanssouci, sowie der etlichen Springbrunnden und akkurat geschnittenen märchenhaften Hecken und Beete. Ein Idyll, was seinesgleichen sucht. Das Positive daran vor allem: kaum Touristen, Ruhe, angenehmes Wasserplätschern und Umgebensein von Jahrhunderte alten Bäumen. Nach diesem Kontrastprogramm zur lebhaften Hauptstadt hätten wir fast die Zeit vergessen. Am Ende bekamen wir rechtzeitig unseren Zug um halb sieben und waren kurz vor elf auch wieder zu Hause. Ein turbulenter und aufregender Tag, der einiges an Kraft kostete aber uns so viel geschenkt hat obwohl wir unser eigentliches Ziel nicht umsetzen konnten. Das beste daran: alles Erlebte kostete jeden von uns gerade mal 20 EUR (inkl. Fahrtkosten, Speisen, Getränke). Ein traumhafter Tag, wenn auch ein großer Traum dafür nicht erfüllt werden konnte.


Persil im Nil II

by Estefania

Das nächste Ziel, das ich schon mit Freuden erwartete, sollte ein Nubierdorf sein. Die Nubier siedelten sich von Khartum, der Hauptstadt des Sudans, bis nach Assuan, am Nil an.  Sie haben ihre ganz eigene Sprache,  eigene Traditionen und ganz einge Architektur. Auf das Dort zufahrend stechen einem sofort die vielen kleinen buntbemalten Häuschen ins Auge. Sobald wir auf der anderen Seite des Nils angekommen sind, werden wir gebeten in den Innenhof eins ausgewählten nubischen Hauses zu treten und uns dort niederzulassen.

Nach einer kurzen Zeit bietet uns die Hausherrin verschiedene Sorten Tee an. Ahmed berichtet in dieser gemütlichen Kulisse vom Volk der Nubier und lädt uns anschließend ein, die im Innenhof gehaltenen Krokodile näher zu betrachten. Drei halbausgewachsene Tiere auf geschätzten 4 qm. Das wirft Fragen auf. Als ich Ahmed auf die Notwendigkeit dieser Krokodilhaltung anspreche, erfahre ich, dass diese Tiere beim nahegelegenen Staudamm gefangen und dann hier zur Erheiterung für die Touristen gehalten werden. Wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, würden sie angeblich wieder frei gelassen. Ich frage mich, wie groß diese Tiere wohl werden können, da sich hier schon ein paar sehr beachtliche Exemplare befinden. Im gleichen Moment sehe ich ein paar spanische Touristen, die sich mit größter Freude mit einer kleineren Ausgabe ablichten lassen. Klar ist es spannend solch einem gefährlichen Tier nahe kommen zu können, doch die Lebensbedingungen, die von einer „artgerechten Haltung“ meilenweit entfernt sind, sollten den Spaßfaktor auf Minus 25 fallen lassen. Ändern könnte an der Situation eventuell jeder Einzelne etwas, indem er den Halter der Tiere oder seinen Reiseführer darauf anspricht und  ihn darauf hinweist, dass er auf eine Unterhaltung dieser Art gerne zum Wohl der Tiere verzichtet.

Nachdem der Hof und die Dachterrasse des nubischen Hauses erkundet worden waren, verabschiedeten wir uns um einen kleinen Spaziergang durch das Dorf zu machen. Auch hier gab es viele Händler, die versuchten ihre Gewürze oder Figuren aus „Alabaster“ und Holz an den Tourist zu bringen. Nur waren sie hier etwas entspannter und weniger aufdringlich als üblich. Vielleicht passte sich der Lautstärkepegel aus Überlebensgründen aber auch dem raschen und meist sehr überraschenden Kamelverkehr an. In den engen Straßen, die von Händlern gesäumt werden, verkehren junge Männer auf ihren Kamelen und das in einer Geschwindigkeit, die mich einen sehr schnellen und beherzten Sprung zur Seite machen lässt. Adrenalinkick pur. Da blickt man verträumt hinter sich weil man Jemanden etwas Unverständliches rufen hört und sieht ein riesiges sich rasant fortbewegendes Etwas direkt auf sich zukommen. Da werden Erinnerungen an eine längst verdrängte beinahe Bekanntschaft mit einem Zug wach. Kaum ist der Schreck etwas verdaut, scheint das nächste Tier direkt auf mich zu zu laufen. Die einzige Möglichkeit einer einigermaßen entspannten Fortbewegung bietet sich darin, direkt neben den Händlern und Ständen zu laufen. Jetzt wittern diese ihre Chance, werden lauter und versuchen einem Tücher umzuhängen oder Figuren in die Hand zu geben, die sie einem „schenken“ wollen. Langsam erkenne ich hier eine sehr raffinierte Strategie. Dem Urlauber Todesangst bereiten, damit er zu den Händlerständen flüchtet und dort Waren kauft um nicht mehr den todbringenden Kreaturen in die Augen blicken zu müssen. Auf den Kamelen befinden sich teilweise wiederum zahlende Touristen, die von den Einheimischen zu den Todesritten ermutigt und angestachelt werden. Die Nubier erscheinen mir als extrem clevere Geschäftsmänner.

Nach diesem Ausflug in eine etwas andere Welt geht es zurück in Richtung Assuan. Auf dem Weg führt die Fahrt vorbei am Hotel Old Cataract, von dem eine leicht britisch akzentuierte Brise zu vernehmen ist. Schnell wird klar, dass dies der Ort sein muss, an dem Agatha Christie ihren berühmten Roman „Tod auf dem Nil“ geschrieben hat. Ahmed bestätigt die Vermutung.

Die Reise führt weiter gen Norden in Richtung Luxor.


Persil im Nil I

by Estefania

Üppige Palmenlandschaften, satte grüne Wiesen, gut genährtes grasendes Vieh, hübsche kleine Fischerboote: So präsentiert sich die Landschaft am Nil am ersten Tag meiner Kreuzfahrt. Ein paar Meter hinter dem fruchtbaren Boden und Ackerland: Steine, karge Felslandschaft und Wüste.

Der landschaftliche Kontrast am längsten Fluss der Welt könnte nicht beeindruckender sein. Die idyllische Fahrt wird nur hin und wieder vom Anblick der sonnenanbetenden und meist viel zu leicht bekleideten älteren deutschen und holländischen Touristen gestört. Da bleibt kein Liegestuhl in der prallen ägyptischen Sonne ungenutzt. Durch die angenehme Brise des Fahrtwindes wird die Sonneneinstrahlung meist erheblich unterschätzt, wie man am zweiten und dritten Tag auf den größtenteils rot gefärbten Urlauberkörpern erkennen kann. Durch das vor Ort gebuchte Ausflugspaket komme ich am zweiten Tag in den Genuss des ersten Tempels.  Das Schiff legt in Edfu, circa 100 km südlich von Luxor, an.

Der Horus Tempel zählt mit seinen 2000 Jahren zu den besterhaltensten Tempel des Landes. Unser Reiseführer heißt Ahmed (wie circa jeder zweite Ägypter auch) und versucht der Ausflugstruppe die ägyptische Geschichte bei gefühlten 40 Grad im Schatten näher zu bringen. Die Antwort zweier Touristinnen darauf ist sehr unhöflich. Ahmed und der Tempel scheinen ihnen so imponiert zu haben, dass beide vor Aufregung brechen müssen. Allgemeine Kreislaufprobleme machen sich breit. Ahmed erklärt im Schatten weiter und die beiden Damen werden ebenfalls im Schatten, auf ein paar Steinbrocken, geparkt. Nun kann der aufmerksame Zuhörer der Geschichte des einst mächtigsten Gottes der alten Ägypter lauschen, für den dieser Tempel erbaut wurde.

Horus wird als Falke symbolisiert und gilt als Gott der Könige, des Lichtes und der Welt. Im Tempel gibt es eine Kapelle, die Horus´ Frau, Hathor, gewidmet ist. Sie ist die Muttergöttin und trägt eine gehörnte Sonnenscheibe auf dem Kopf. Langsam wird es etwas schwierig Ahmed zu folgen. Sein doch relativ starker arabischer Akzent lässt mich teilweise nur Bruchstücke eines Satzes oder ganzen Geschichtsabschnitt verstehen. Der perfekte Zeitpunkt für eine Fotosafari ist gekommen! Die größte Herausforderung hierbei ist, sich durch die unaufhaltsamen Touristenströme zu kämpfen. Geduld ist gefragt wenn man ein Foto mit viel Tempel und wenig Touristen wünscht. Die bestmöglichen Bilder sind im Kasten und nun kann es zurück zum Schiff gehen. Aber nicht ohne einen Zwischenstopp bei der Apotheke, den Ahmed für die, von der „Touristenkrankheit“ Befallenen, befohlen hat.

Wieder am Schiff angekommen werden wir noch einmal ausführlich in die Kunst des Handelns mit Ägyptern eingeführt. Der Reiseleiter, selbst aus Kairo stammend, bemerkt wiederholend, dass ägyptische Händler Touristen grundsätzlich über den Tisch zu ziehen versuchen und dabei keine Mittel und Wege scheuen. Das erste arabische Wort, das ich lerne ist „Emschi!“ und bedeutet soviel wie „Verpiss dich!“. Das sagt ja wohl alles.  Vorher könne man es aber auch mit „La Schukran“, was „Nein, Danke“ bedeutet, versuchen. Fast überall, außerhalb des Schiffs, wo man sich hinbegibt wird man natürlich sofort als Tourist erkannt und höchst aggressiv und lautstark „gefragt“ ob man denn nicht etwas kaufen möchte. „Heute mitnehmen, morgen bezahlen!“. Die Ägypter sprechen überraschend gut deutsch und haben sich auch mit den hiesigen Handlungsmodalitäten vertraut gemacht. Der Ausruf  „Alles bei Obi!“ regt mich dann doch etwas zum Nachdenken an.

Am nächsten Tag stand die Besichtigung des Kom Ombo Tempels, in der gleichnamigen Stadt,  auf dem Programm. Die Teilnehmerzahl der Reisegruppe hatte sich offensichtlich schon erheblich reduziert. Die „Touristenkrankeit“ schien nun doch mehrere getroffen zu haben. Ahmed erklärte nun auch nur noch im Schatten. Obwohl er immer wieder betonte, dass für die Ägypter im Februar auch Winter sei, rannen ihm im regelmäßigen Fluss Schweißtropfen von seiner Stirn während er die Bedeutung des Doppeltempels, der im 19. Jahrhundert durch Hochwasser stark beschädigt wurde, erklärte. So konnte man auch nach einigen Ausführungen das riesige brunnenartige Loch bestaunen, in dem früher Krokodile gehalten wurden. Immerhin sei der Tempel auch zu Ehren des Krokodilgottes Sobek und des Falkengottes Horus erbaut worden, die sich das Gebäude praktisch teilen. Ein Gott pro Tempelhälfte.

Dass Ägypten nicht nur Tempel, Steine und Felsen zu bieten hat, konnte man am nächsten Tag auf Kitchener Island sehen und riechen. Hier befindet sich ein netter Botanischer Garten, der ein wenig an die heimatliche EGA erinnert. Umgeben von einem prächtigen Blütenmeer erwacht der Schein eines ewigen Frühlings. Unter dieses euphorisierende Gefühl mischen sich seltsame Laute. Plötzlich stehen mehrere Katzen vor mir und betteln um Nahrung. Hätte ich das vorher gewusst, wäre sicherlich die ein oder andere Scheibe Wurst beim Frühstück in meiner Tasche verschwunden. So kann ich den kleinen Geschöpfen leider nichts anderes als ein paar Kekse anbieten, die ihnen aber nicht recht zusagen wollen. Schnell verlieren sie wieder ihr Interesse an mir und stürzen sich auf die nächsten Neuankömmlinge.


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