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Persil im Nil II

by Estefania

Das nächste Ziel, das ich schon mit Freuden erwartete, sollte ein Nubierdorf sein. Die Nubier siedelten sich von Khartum, der Hauptstadt des Sudans, bis nach Assuan, am Nil an.  Sie haben ihre ganz eigene Sprache,  eigene Traditionen und ganz einge Architektur. Auf das Dort zufahrend stechen einem sofort die vielen kleinen buntbemalten Häuschen ins Auge. Sobald wir auf der anderen Seite des Nils angekommen sind, werden wir gebeten in den Innenhof eins ausgewählten nubischen Hauses zu treten und uns dort niederzulassen.

Nach einer kurzen Zeit bietet uns die Hausherrin verschiedene Sorten Tee an. Ahmed berichtet in dieser gemütlichen Kulisse vom Volk der Nubier und lädt uns anschließend ein, die im Innenhof gehaltenen Krokodile näher zu betrachten. Drei halbausgewachsene Tiere auf geschätzten 4 qm. Das wirft Fragen auf. Als ich Ahmed auf die Notwendigkeit dieser Krokodilhaltung anspreche, erfahre ich, dass diese Tiere beim nahegelegenen Staudamm gefangen und dann hier zur Erheiterung für die Touristen gehalten werden. Wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, würden sie angeblich wieder frei gelassen. Ich frage mich, wie groß diese Tiere wohl werden können, da sich hier schon ein paar sehr beachtliche Exemplare befinden. Im gleichen Moment sehe ich ein paar spanische Touristen, die sich mit größter Freude mit einer kleineren Ausgabe ablichten lassen. Klar ist es spannend solch einem gefährlichen Tier nahe kommen zu können, doch die Lebensbedingungen, die von einer „artgerechten Haltung“ meilenweit entfernt sind, sollten den Spaßfaktor auf Minus 25 fallen lassen. Ändern könnte an der Situation eventuell jeder Einzelne etwas, indem er den Halter der Tiere oder seinen Reiseführer darauf anspricht und  ihn darauf hinweist, dass er auf eine Unterhaltung dieser Art gerne zum Wohl der Tiere verzichtet.

Nachdem der Hof und die Dachterrasse des nubischen Hauses erkundet worden waren, verabschiedeten wir uns um einen kleinen Spaziergang durch das Dorf zu machen. Auch hier gab es viele Händler, die versuchten ihre Gewürze oder Figuren aus „Alabaster“ und Holz an den Tourist zu bringen. Nur waren sie hier etwas entspannter und weniger aufdringlich als üblich. Vielleicht passte sich der Lautstärkepegel aus Überlebensgründen aber auch dem raschen und meist sehr überraschenden Kamelverkehr an. In den engen Straßen, die von Händlern gesäumt werden, verkehren junge Männer auf ihren Kamelen und das in einer Geschwindigkeit, die mich einen sehr schnellen und beherzten Sprung zur Seite machen lässt. Adrenalinkick pur. Da blickt man verträumt hinter sich weil man Jemanden etwas Unverständliches rufen hört und sieht ein riesiges sich rasant fortbewegendes Etwas direkt auf sich zukommen. Da werden Erinnerungen an eine längst verdrängte beinahe Bekanntschaft mit einem Zug wach. Kaum ist der Schreck etwas verdaut, scheint das nächste Tier direkt auf mich zu zu laufen. Die einzige Möglichkeit einer einigermaßen entspannten Fortbewegung bietet sich darin, direkt neben den Händlern und Ständen zu laufen. Jetzt wittern diese ihre Chance, werden lauter und versuchen einem Tücher umzuhängen oder Figuren in die Hand zu geben, die sie einem „schenken“ wollen. Langsam erkenne ich hier eine sehr raffinierte Strategie. Dem Urlauber Todesangst bereiten, damit er zu den Händlerständen flüchtet und dort Waren kauft um nicht mehr den todbringenden Kreaturen in die Augen blicken zu müssen. Auf den Kamelen befinden sich teilweise wiederum zahlende Touristen, die von den Einheimischen zu den Todesritten ermutigt und angestachelt werden. Die Nubier erscheinen mir als extrem clevere Geschäftsmänner.

Nach diesem Ausflug in eine etwas andere Welt geht es zurück in Richtung Assuan. Auf dem Weg führt die Fahrt vorbei am Hotel Old Cataract, von dem eine leicht britisch akzentuierte Brise zu vernehmen ist. Schnell wird klar, dass dies der Ort sein muss, an dem Agatha Christie ihren berühmten Roman „Tod auf dem Nil“ geschrieben hat. Ahmed bestätigt die Vermutung.

Die Reise führt weiter gen Norden in Richtung Luxor.


Persil im Nil I

by Estefania

Üppige Palmenlandschaften, satte grüne Wiesen, gut genährtes grasendes Vieh, hübsche kleine Fischerboote: So präsentiert sich die Landschaft am Nil am ersten Tag meiner Kreuzfahrt. Ein paar Meter hinter dem fruchtbaren Boden und Ackerland: Steine, karge Felslandschaft und Wüste.

Der landschaftliche Kontrast am längsten Fluss der Welt könnte nicht beeindruckender sein. Die idyllische Fahrt wird nur hin und wieder vom Anblick der sonnenanbetenden und meist viel zu leicht bekleideten älteren deutschen und holländischen Touristen gestört. Da bleibt kein Liegestuhl in der prallen ägyptischen Sonne ungenutzt. Durch die angenehme Brise des Fahrtwindes wird die Sonneneinstrahlung meist erheblich unterschätzt, wie man am zweiten und dritten Tag auf den größtenteils rot gefärbten Urlauberkörpern erkennen kann. Durch das vor Ort gebuchte Ausflugspaket komme ich am zweiten Tag in den Genuss des ersten Tempels.  Das Schiff legt in Edfu, circa 100 km südlich von Luxor, an.

Der Horus Tempel zählt mit seinen 2000 Jahren zu den besterhaltensten Tempel des Landes. Unser Reiseführer heißt Ahmed (wie circa jeder zweite Ägypter auch) und versucht der Ausflugstruppe die ägyptische Geschichte bei gefühlten 40 Grad im Schatten näher zu bringen. Die Antwort zweier Touristinnen darauf ist sehr unhöflich. Ahmed und der Tempel scheinen ihnen so imponiert zu haben, dass beide vor Aufregung brechen müssen. Allgemeine Kreislaufprobleme machen sich breit. Ahmed erklärt im Schatten weiter und die beiden Damen werden ebenfalls im Schatten, auf ein paar Steinbrocken, geparkt. Nun kann der aufmerksame Zuhörer der Geschichte des einst mächtigsten Gottes der alten Ägypter lauschen, für den dieser Tempel erbaut wurde.

Horus wird als Falke symbolisiert und gilt als Gott der Könige, des Lichtes und der Welt. Im Tempel gibt es eine Kapelle, die Horus´ Frau, Hathor, gewidmet ist. Sie ist die Muttergöttin und trägt eine gehörnte Sonnenscheibe auf dem Kopf. Langsam wird es etwas schwierig Ahmed zu folgen. Sein doch relativ starker arabischer Akzent lässt mich teilweise nur Bruchstücke eines Satzes oder ganzen Geschichtsabschnitt verstehen. Der perfekte Zeitpunkt für eine Fotosafari ist gekommen! Die größte Herausforderung hierbei ist, sich durch die unaufhaltsamen Touristenströme zu kämpfen. Geduld ist gefragt wenn man ein Foto mit viel Tempel und wenig Touristen wünscht. Die bestmöglichen Bilder sind im Kasten und nun kann es zurück zum Schiff gehen. Aber nicht ohne einen Zwischenstopp bei der Apotheke, den Ahmed für die, von der „Touristenkrankheit“ Befallenen, befohlen hat.

Wieder am Schiff angekommen werden wir noch einmal ausführlich in die Kunst des Handelns mit Ägyptern eingeführt. Der Reiseleiter, selbst aus Kairo stammend, bemerkt wiederholend, dass ägyptische Händler Touristen grundsätzlich über den Tisch zu ziehen versuchen und dabei keine Mittel und Wege scheuen. Das erste arabische Wort, das ich lerne ist „Emschi!“ und bedeutet soviel wie „Verpiss dich!“. Das sagt ja wohl alles.  Vorher könne man es aber auch mit „La Schukran“, was „Nein, Danke“ bedeutet, versuchen. Fast überall, außerhalb des Schiffs, wo man sich hinbegibt wird man natürlich sofort als Tourist erkannt und höchst aggressiv und lautstark „gefragt“ ob man denn nicht etwas kaufen möchte. „Heute mitnehmen, morgen bezahlen!“. Die Ägypter sprechen überraschend gut deutsch und haben sich auch mit den hiesigen Handlungsmodalitäten vertraut gemacht. Der Ausruf  „Alles bei Obi!“ regt mich dann doch etwas zum Nachdenken an.

Am nächsten Tag stand die Besichtigung des Kom Ombo Tempels, in der gleichnamigen Stadt,  auf dem Programm. Die Teilnehmerzahl der Reisegruppe hatte sich offensichtlich schon erheblich reduziert. Die „Touristenkrankeit“ schien nun doch mehrere getroffen zu haben. Ahmed erklärte nun auch nur noch im Schatten. Obwohl er immer wieder betonte, dass für die Ägypter im Februar auch Winter sei, rannen ihm im regelmäßigen Fluss Schweißtropfen von seiner Stirn während er die Bedeutung des Doppeltempels, der im 19. Jahrhundert durch Hochwasser stark beschädigt wurde, erklärte. So konnte man auch nach einigen Ausführungen das riesige brunnenartige Loch bestaunen, in dem früher Krokodile gehalten wurden. Immerhin sei der Tempel auch zu Ehren des Krokodilgottes Sobek und des Falkengottes Horus erbaut worden, die sich das Gebäude praktisch teilen. Ein Gott pro Tempelhälfte.

Dass Ägypten nicht nur Tempel, Steine und Felsen zu bieten hat, konnte man am nächsten Tag auf Kitchener Island sehen und riechen. Hier befindet sich ein netter Botanischer Garten, der ein wenig an die heimatliche EGA erinnert. Umgeben von einem prächtigen Blütenmeer erwacht der Schein eines ewigen Frühlings. Unter dieses euphorisierende Gefühl mischen sich seltsame Laute. Plötzlich stehen mehrere Katzen vor mir und betteln um Nahrung. Hätte ich das vorher gewusst, wäre sicherlich die ein oder andere Scheibe Wurst beim Frühstück in meiner Tasche verschwunden. So kann ich den kleinen Geschöpfen leider nichts anderes als ein paar Kekse anbieten, die ihnen aber nicht recht zusagen wollen. Schnell verlieren sie wieder ihr Interesse an mir und stürzen sich auf die nächsten Neuankömmlinge.


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