Prag – Marzipandecke über der Stadt

by Estefania

Stadt von oben

Schon viele Jahre stand Tschechiens Hauptstadt Prag auf meinem Städtereisenwunschplan. Viele Freunde und Bekannte schwärmten von der außergewöhnlichen Altstadt und ihren verwinkelten Gassen und priesen gleichzeitig die Qualität des Bieres. Mein Ziel war es den Wahrheitsgehalt dieser Lobpreisungen zu erkunden.

Bei der Recherche des passenden Transportmittels nach Prag (jeder riet ausnahmslos davon ab mit dem eigenen Auto anzureisen) fand ich bald heraus, dass es eine günstige Busverbindung gab, die praktisch vor meiner Haustür startete. Für ca. 15 € p.P. konnte ich die Hin-, für knapp 25 € p.P. die Rückfahrt buchen. Ein außerordentlich niedriger Preis, bei dem ich eventuelle Unzulänglichkeiten einplante. Extrem ins Staunen versetzte mich daher, dass der Bus nach einer 5 1/2-stündigen Fahrt planmäßig um 13:55 Uhr im Busbahnhof von Prag stoppte. Ich war nicht mal in der Lage mein zu der Zeit verschriebenes Antiobiotikum so pünktlich einzunehmen, wie der Fahrer das Ziel erreichte.

Da der Busbahnhof etwas entfernt von unserem Hotel lag, kauften wir zuerst ein 3-Tages-Ticket für Bus und Bahn. Nachdem wir an der richtigen Metrostation ausstiegen aber erst mal in die falsche Richtung liefen, kamen wir ganz ohne Google Maps, dank fußläufigem Trial and Error-Verfahren, gegen 15 Uhr an unserem Hotel, in einer Nebenstraße, an. Die Zimmer des 4-Sterne-Hotels waren einfach aber zweckmäßig eingerichtet. Glücklicherweise lag unser Zimmerfenster in Richtung eines ruhigen Innenhofs und war nicht der mehrspurigen Straße auf der anderen Seite zugewandt.

Kirche_Maria vom SiegeDa das Hotel sehr zentral und in der Nähe des Náměstí Míru, einer der Haltepunkte der Tram 22 gelegen war, die eine Romanautorin einst als schönste Straßenbahnstrecke der Welt beschrieb, zog es uns als erstes zu dieser Station um genau jene Tram zu besteigen. Kaum hatten wir in der Bahn Platz genommen, passierten wir nach wenigen Minuten die berühmte Karlsbrücke und schlängelten uns danach weiter durch imposante Teile der Innenstadt bis wir Bílá Hora, die Endstation, erreichten.

Am westlichen Stadtrand Prags angelangt, erkundeten wir eine nahegelegene gelblich strahlende Kirche. Neben dem Hauptgebäude der Wallfahrtskirche Maria vom Siege stachen mir vor allem die farbenprächtig verzierten Deckengewölbe der Seitengänge ins Auge. Kurz nach unserer Ankunft schlugen die Kirchenglocken zur vollen Stunde.

 

KlostergangWährend die letzten Schläge noch kraftvoll erklingen, schaltet sich die Sirene eines Polizeiautos dazu und verhallt erst einige Zeit nach den Glockenschlägen.

KreuzschattenWir fuhren wenige Stationen zurück und stiegen nahe der Prager Burg aus. Die kühlen Temperaturen verführten uns zur Einkehr in einem gemütlich und heimelig eingerichteten Café nachdem wir an einigen interessanten kleinen Läden vorbei geschlendert waren. Unsere kulinarische Nachmittagswahl fiel auf eine Himbeersahnetorte mit Marzipandecke. Ein himmlisch köstlicher Genuss. Prag hatte mich.

Kuchen_Cafe

Draußen dämmerte es langsam als wir einen langen mit Kopfstein gepflasterten steilen Weg hinab in Richtung Karlsbrücke gingen. Dank des nasskalten Wetters war die Brücke nicht übermäßig stark besucht. Einige Maler und Musiker und angenehm wenige Touristen hielten sich hier auf. Wir flanierten über das historische Pflaster und bewunderten die atmosphärisch beleuchteten und perfekt in Szene gesetzten Statuen am Brückenrand.

Hinter uns lag die Prager Burg, vor uns die Altstadt, auf die wir nun Kurs nahmen. Hier tummelten sich überraschenderweise unzählige Menschen und die Restaurants platzten aus allen Nähten. Wir beschlossen den Abend entspannt ausklingen zu lassen und aßen dort, wo wir Platz fanden ohne anstehen zu müssen – bei einem Vietnamesen.

Weg zur Brücke


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