In Erinnerung

by Estefania

Im Kurzhörspielkurs „Kurz und gut“ unter der Leitung von Martin Becker und Nathalie Singer produzierte ich drei Hörspiele nach Textvorlagen von Westfälischen Autoren. Bei den Stücken wirkten unterschiedliche Schauspieler des DNT Weimar mit. So sprach Christian Klischat den Robinson beim „Robinson-Dilemma“ und Philipp Oehme und Rahel Juliane Weiss verkörperten zwei Figuren in „Ausgenommen“. In „Wo wir wuchsen“ traten Rosemarie Deibel und Rahel Juliane Weiss in einen Dialog über die Vergänglichkeit. Rosemarie Deibel verstarb leider überraschend wenige Wochen nach den Aufnahmen, im Alter von 76 Jahren. In Erinnerung an Sie gibt es hier das komplette Stück zu hören. Die TA berichtet hier über die großartige Schauspielerin.

Wo wir wuchsen

 


Estefanias Urlaubstipps Teil 1 – Ostsee

by Estefania

Blick vom Strand zur WestmoleJedes Jahr stehen Millionen von Menschen wieder vor der Frage wohin es dieses Mal in den Urlaub gehen soll. Neben einigen exotischen Zielen wie Bali, Koh Samui, dem Amazonas oder Timbuktu, zieht es die Massen doch meist an türkische, spanische, tunesische, bulgarische oder andere ferne Strände. Doch warum jedes Jahr durch einen Flug in fremde Länder den CO2- Ausstoß in die Höhe treiben, wenn es doch in heimischen Gefilden attraktive und abwechslungsreiche Strandlandschaften zu entdecken gibt.

So beispielsweise die Ostsee. Eines meiner Lieblingsziele an der Ostsee ist Warnemünde, nördlich von Rostock. Es hat selbst einiges zu bieten, eignet 30 Meter hoher Leuchtturmsich aber auch hervorragend als Ausgangspunkt für erlebnisreiche Ausflüge in der Gegend. Zu empfehlen ist auf jeden Fall ein abendlicher Spaziergang am Alten Strom mit seiner Vielzahl an Lokalen, kleinen Geschäften, Fahrgastschiffen und Fischkuttern. Ein wunderschöner alter und 30 Meter hoher Leuchtturm ist eine Art Wahrzeichen des Ortes.  Die sogenannte Westmole ist der gefühlt nördlichste Aussichtspunkt in Warnemünde und eignet sich hervorragend um das Meer grün-weiße Leuchtbakeund den regen Schiffsverkehr zu beobachten. Am Ende der 530 Meter langen Mole befindet sich die markante grün-weiße Leuchtbake. Diese ist auch vom Warnemünder Strand aus gut zu sehen. Es ist ein über 100 Meter breiter feiner Sandstrand, der im Sommer zum Baden, in den kühleren Jahreszeiten zum Spazieren einlädt. Die frische Meeresbrise, das ferne Kreischen der Möwen, die im Sand einsinkenden Füße…Entspannung und Glücksseligkeit.

 

schwebende Wale

Es lohnt definitiv ein Ausflug ins circa 80 km entfernte Stralsund, um dort das Ozeaneum zu besuchen. Es erhielt den Titel Europas Museum des Jahres 2010 und begeistert Jung und Alt mit seiner faszinierenden Unterwasserwelt. Es bietet dem Besucher eine europaweit einzigartige Reise durch die Unterwasserwelt der nördlichen Meere.  Atemberaubend wirkt der Anblick von scheinbar durch den Raum schwebenden Walen in Originalgröße.  Das größte Exponat weist eine Länge von 26 Metern auf. 

 

 

 

 

 

Ein noch auf andere Art sehr außergewöhnliches Erlebnis bietet der Bunker Eichenthal. Er wurde vor einiger Zeit geflutet und ist seit 2006 wieder begehbar. Hier lässt sich durch eine beeindruckende, sowie extrem beklemmende Simulation das Szenario eines Atomkriegs nachempfinden. Ein Besuch der definitiv in den Köpfen nachhallt.

 

Für Tier- und Naturfreunde empfiehlt sich die Fahrt ins 50 km entfernte Güstrow. Hier kann man die Bewohner der Raubtier-WG, namentlich Bären, Wölfe, Luchse und Wildkatzen beobachten. Außerdem leben hier Waschbären, Eichhörnchen und diverse Vogelarten. Das Eintrittsgebäude ist gleichzeitig Umweltbildungszentrum, welches Groß und Klein zum Interagieren einlädt. Es unterhält auf intelligente Art und Weise und lässt den sonst meist passiven Betrachter zum Akteur avancieren.

Eines meiner persönlichen Highlights in Warnemünde war definitiv der Besuch des Robben-Forschungszentrums. Es befindet sich im Yachthafen Höhe Düne. Hier kann man zusehen wie die auf einem ehemaligen Fahrgastschiff beheimateten Robben trainiert und gefüttert werden. Zusätzlich erfährt man durch die dortigen Forscher Details zur Umgangsweise mit den Tieren, deren Lebensweise und den Forschungsarbeiten. Die Robbenstation hat von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Ich hätte diesen wundervollen Tieren noch viel länger zusehen können.


Regiepreis beim Westfälischen Kurzhörspielaward „Shortcuts“

by Estefania

In Kooperation mit der Universität Paderborn und der Literaturkommission für Westfalen bot sich in diesem Sommersemester eine herausfordernde Ausgangssituation am Lehrstuhl für Experimentelles Radio: Zehn Siegermanuskripte des Westfälischen Autorenwettbewerbs „Shortcuts“ sollten bearbeitet und produziert werden. Unter der Leitung von Prof. Nathalie Singer, Martin Becker, selbst Autor und gleichzeitig Wegbereiter für die Kooperation und Mario Weise, der auf die technische Seite ein Auge hatte, realisierte jeder Teilnehmer des Kurses „Kurz und Gut“ drei Kurzhörspiele.  Für die Aufnahmen konnten namhafte Schauspieler des DNT Weimar gewonnen werden, die sich bereitwillig und gern auf dieses Abenteuer einließen.

Das Highlight des Kurses war die Hörspiel-Gala auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg. Am 6. Juli kamen hier Autoren und Regisseure zusammen um gemeinsam mit einem interessierten Publikum den fertigen Stücken zu lauschen. Martin Becker führte unterhaltsam und pointiert durch diesen heiteren und kurzweiligen Abend. Im Anschluss an die Vorführung der Stücke hatte das Publikum die Aufgabe aus dem Gehörten seinen Favoriten zu küren. Rund 120 Besucher bestimmten als Publikumsjury die Siegerbeiträge in den Kategorien „Beste Textvorlage“ und dem Sonderpreis für „Beste Regie“.

Die Spannung stieg und nach einer erfrischenden Weißweinschorle wurden feierlich die Sieger verkündet. Das Autorenduo Karr & Wehner („Das Robinson-Dilemma“), Lara Sielmann („Wo wir wuchsen“) und Ludger Haumann („Aufkröppen in Gelsenkirchen“)  wurden für ihre Texte ausgezeichnet. Den Sonderpreis für Regie durfte ich für meine Umsetzung des Robinson-Dilemmas mit Christian Klischat als Robinson, freudig entgegen nehmen. Ein sehr schöner Abend in traumhafter Kulisse des idyllisch im Grünen gelegenen Kulturgut Haus Nottbeck. Vielen Dank an alle Beteiligten und vor allem dem großartigen Christian Klischat.

Hier ein Eindruck von „Das Robinson-Dilemma„.


Das Glück. Eine Bestandsaufnahme.

by Estefania

Diesen Titel trägt das Feature, welches meine Abschlussarbeit beim Lehrstuhl für Experimentelles Radio gewesen ist. Hierbei befragte ich 16 Personen zu ihren Wünschen, Träumen, Hoffnungen und natürlich auch Glücksmomenten in ihren Leben. Um einen möglichst guten Querschnitt durch die Altersgruppen zu bilden, wählte ich die Befragten im Alter von 11 und 83 Jahren aus. Weg von einzelnen Autoren, die sich anmaßen zu wissen, was jeden einzelnen von uns glücklich macht. Hin zu einzelnen Individuen, denen ich ihre Stimme nach all der Flut von sogenannten Glücksratgebern zurückgeben wollte. Hier erfährt man nicht nur wie der perfekte Donut zu schmecken hat, welche Geräusche sich großer Beliebtheit erfreuen, sondern erhascht einen Einblick in ganz persönliche Erlebnisse, die zu tiefgreifenden Veränderungen im Bewusstsein geführt haben.


Radioübung zu Amy Winehouse wurde bittere Wahrheit

by Estefania

Anfang 2009 schrieb ich im von Andreas Feddersen geleiteten Radiokurs „On Air“ eine Kolumne über Amy Winehouse. Eben war zu erfahren, dass sie heute, am 23. Juli, tot in ihrer Londoner Wohnung aufgefunden wurde. In meinem Radiobeitrag, der zu Übungszwecken enstanden ist,  habe ich einen thematischen Einstieg gewählt, der eben genau dieses zu prognostizieren scheint. Ein seltsamer Zufall, der mehr als einen dicken Kloß in meinem Hals hinterlässt.

Aber hört selbst: Amy Winehouse (2009)

Amy, R.I.P.


„Irgendwann kriegen wir euch alle“ zum zweiten Mal gewonnen!

by Estefania

Das im Projekt „Hörräume“ produzierte Hörspiel IRGENDWANN KRIEGEN WIR EUCH ALLE hat letzte Woche beim Leipziger Hörspielsommer den 1. Platz in der Kategorie „Beste Idee“ abgeräumt.

Dies ist erfreulicherweise schon die zweite Auszeichnung für das von Christof Pilsl und mir geschriebene Stück, nach der „Hörnixe“, die 2010 bei der Chemnitzer Hörspielinsel von Radio T an uns verliehen worden ist. Wir freuen uns und sagen DANKE!

Hier gibt´s nochmal einen kurzen Eindruck vom Stück:

Irgendwann kriegen wir euch alle – Snippet

 


Parkour I

by Estefania

Im letzten Semester ist mal wieder, wie solltes es anders sein, ein Hörspiel entstanden. Den Rahmen hierfür bildete der Kurs REGIE, unter der Leitung von Prof. Nathalie Singer, am Lehrstuhl für Experimentelles Radio. Die Besonderheit dieses Kurses war die Kooperation mit zwei Hochschulen; der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin und dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Die Grundlage für unsere Regiearbeit bildeten Texte, die uns das Literaturinstitut zur Verfügung stellte. Den Hauptanteil zur Umsetzung trugen die Berliner Schauspielstudenten der Abteilung Puppenspiel bei. Sie besuchten uns für ein Wochenende in Weimar und standen uns für die Aufnahmen der jeweiligen Stücke im Studio zur Verfügung. Begleitet wurde das Projekt auch von Stefanie Hoster aus der Hörspielredaktion des Deutschlandradio Kultur. Sie stand uns beratend zur Seite und lud uns in der Endphase der Produktion zum Sender nach Berlin ein. Hier feierten die Stücke ihre erste kleine Premiere im Kreise der Regisseure und Berliner Schauspieler, die nun die Ergebnisse ihrer Arbeit zu hören bekamen.

Passend zum Thema besuchten uns renommierte Regisseure und Hörspielmacher wie Götz Naleppa, Paul Plamper oder auch Ulrich Gerhardt, die über ihre Arbeiten und Erfahrungen daraus berichteten. In Radiogesprächen oder auch direkten Gruppenübungen mit Schauspielern vom DNT Weimar bekamen wir Einblicke in ihre Arbeitsweise mit Texten oder auch den Umgang mit Sprechern.

Resultat des Projektes, an dem sieben ausgewählte Weimarer Studenten teilnahmen, sind ebenso viele  völlig unterschiedliche Hörspiele, sowie von der Thematik als auch von der Machart, entstanden.

Mein Text beschäftigte sich mit Körperlichkeit im Allgemeinen und auch Speziellen. Er bestand aus einer Aneinanderreihung diverser Anleitungen zum Körperverbiegen- und verrenken. Eine Art Yoga- und Turnübungssammelsurium. Die Wahl fiel auf genau diesen Text weil ich damit die Vorstellung einer vielfältigen und experimentellen Regiearbeit verknüpfte. In der Stunde, die mir gerade mal für die Aufnahmen zur Verfügung stand, ließ ich Arne van Dorsten, Kot-Bang-Sil Yun und Amit Jacobi auf verschiedenste Weisen den von Julia Dathe verfassten Text, Parkour I, einsprechen. Der Bogen der Sprechhaltungen spannte sich von der esoterisch beseelten Yogatrainerin bishin zum militärischen Kommandeur. Die angehenden Puppenschauspieler gingen auf all meine Ideen und Anweisungen ein und setzten diese mit Bravour um.

Enstanden ist ein Stück, welches eventuell nichts für Zartbesaitete ist, da es an einigen Stellen doch mal zu gewöhnungsbedürftigen Geräuschen bei der Ertüchtigung kommt und es beim Hören zu spontanen Schweißausbrüchen aufgrund erhöhter Empathie kommen kann.

Eine Hörprobe gibt es hier:


Asphalt-Filmanalyse

by Estefania

Im Seminar „Filme aus der Weimarer Republik“ mit dem Regisseur und Drehbuchautor Gordian Maugg sind zu sehr bedeutenden Filmen aus dieser Zeit Rezensionen entstanden. Diese möchte ich hier vorstellen um dem Ein oder Anderen diese Werke näher zu bringen und eventuell Lust auf mehr zu machen. Den Anfang macht Asphalt.

Asphalt – Eine Analyse zum Film

Joe May inszeniert mit Asphalt ein kammerspielhaftes, reduziertes Stummfilmwerk. Es ist einer der letzten produzierten Stummfilme. Gustav Fröhlich tritt hier als Verkehrspolizist auf, der einen Kampf zwischen Liebe und Pflicht ausficht. Der „Star“ aus Metropolis erliegt letztendlich den Verführungskünsten einer aufreizenden und hingebungsvollen Diamantendiebin, gespielt von Betty Amann. Sie wurde von der UFA entdeckt. Auffallend sind die Großaufnahmen von ihrem puppenhaften Gesicht und ihren unschuldigen Wimpernaufschlägen. Der Film lebt durch die stark betonte Mimik und Gestik.  Großaufnahmen sind hierbei deshalb dominierend. Fred Majo, Hans Szekely und Rolf E. Vanloo, die Drehbuchautoren dieses Films, bedienten sich eines altbekannten und – beliebten Themas: des „Sex and Crime“.

Am Anfang wird das Großstadtleben durch dynamische Kamerafahrten gezeichnet. Durch die wandernde Kamera wird das Miteinander der Menschen und Räume sehr geschickt entschleiert. Das Pulsieren der Hauptstadt rund um den Potsdamer Platz skizziert ein opulentes Orchesterensemble. Die Straßenbilder begleitet hastende, eilende Musik, untermischt mit klirrenden Metalltönen, die den Rhythmus der Geschäftigen und Arbeitenden charakterisieren.

Geschildert wird in Asphalt letztendlich ein Kleinbürgerschicksal. Gesellschaftliche oder soziale Probleme der Zeit werden nicht mit einbezogen. Der Asphalt, die Straße ist für Joe May in diesem Fall hauptsächlich ein Ort des Lasters aber auch eine Bühne für die pulsierende Großstadt, das rege Treiben ihrer Bürger. Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Klassen finden hier nicht statt. Sie ist reduziert auf den Kampf zwischen dem Pflichtbewusstsein eines kleinbürgerlichen Polizisten und seinen Gefühlen. Er wird im Kontakt mit seinen zu beschützenden Mitbürgern getestet, ob er der Versuchung widerstehen und seine Staatstreue unter Beweis stellen kann. Der Verkehrspolizist Holk verfällt dem Charme der attraktiven und vor Schönheit anmutig leuchtenden Diamantendiebin Else. Der sonst so pflichtbewusste Beamte und Sohn ehrenwerter Eltern gerät in ihre Fänge und wirft damit all seine Prinzipien über Bord. Vorher ringt er aber stark mit seinem Gewissen, was er durch angespanntes Auf und Ab Gehen signalisiert. Es steht ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben, dass er es in der Wohnung der Diebin, die er nach langem Flehen von ihr aufsuchte, nicht wirklich aushält. Wie ein Kaninchen in der Schlangengrube windet er sich und fühlt sich sichtlich unwohl. Bis Else ihn praktisch „erklimpert“ und in ihr Bett bewegen kann. Alle Pflichten und sein komplettes Verantwortungs- und Ordnungsbewusstsein sind über Bord geworfen und vergessen. Er lebt nur noch für dieses Moment, dem er sich voll und ganz hingibt und in seinen Augen scheinen nur noch vier Buchstaben aufzuleuchten: E-L-S-E. Sie hat ihn voll und ganz in ihren Bann gezogen und für ihn scheint alles andere bedeutungslos geworden zu sein. Er hat seinen kleinbürgerlichen Käfig verlassen und ist in eine Welt voller Abgründe, aber auch voller Leidenschaft abgedriftet. Somit hat er sich im gleichen Moment auf und an die Seite einer Kriminellen geschlagen. Er handelt im Gegensatz zu Konventionen und dem, was ihm aufgebürdet wurde.

Seine Eltern im trauten Heim ahnen nichts von seinem „Doppelleben“. Sie kennen ihn als gewissenhaften und treuen Staatsbürger und vor allem sein Vater, gespielt von Albert Steinrück, der das Amt des Hauptwachmeisters inne hat, hält große Stücke auf seinen Sprössling.

Beide scheinen sich in ihrer Welt voller Ordnung und Recht sehr gut aufgehoben zu fühlen. Die Idylle der Wachtmeisterwohnung wird durch zarte Melodien von Kanarienvogeltrillern hübsch dargestellt. Signifikant ist das Zeichnen der kleinbürgerlichen und etwas beschränkten Welt durch den Vogelkäfig im Wohnzimmer. Das Tier hinter Gittern verhält sich, wenn auch unfreiwillig, wie die staatstreue Familie. Einzig ihr Sohn vermag es, die Käfigtür zu öffnen und dem Geist und Körper begrenzenden Metallkörper, wenn auch nicht gerade auf die klügste Art und Weise, zu entfliehen.

Er hat sich zeigen lassen, dass im Leben mehr als Recht und Ordnung existieren, bereut dies aber im ersten Moment auch wieder, da er sich seiner Prinzipien und Werte besinnt. Er schickt Else das von ihr verfasste Dankesschreiben und das Geschenk wieder zurück, erliegt aber bei einem erneuten Besuch in ihrer Wohnung doch wieder ihrem Charme, wobei es anschließend zu einem entscheidenden und fatalen Zwischenfall kommt. Er erschlägt seinen vermeintlichen Nebenbuhler und wird somit zum Mörder. Unter dieser Last kann er nicht weiter leben und vertraut sich völlig verstört seinen Eltern an. Sein Vater kann und will ihn nicht decken und kommt seiner Pflicht als Bürger und Hauptwachmeister nach, er händigt seinen Sohn der Polizei aus. Sein Schicksal scheint besiegelt. Die Liebe hat den Kampf verloren und ihn zu etwas werden lassen, was er selbst verabscheut hat. Freiheit über die Grenzen des Gefängnisses hinaus wird schwierig auszuüben sein. Mit der Last seiner Tat wird er wohl nur noch schwer das Leben leben können, was er immer anstrebte oder auch neu kennengelernt hat.

Noch schlimmer als er, wird seine Mutter unter der Tat ihres Sohnes und seinem Gefängnisaufenthalt zu leiden haben. Sie hat sich immer aufopferungsvoll um sein Wohl gesorgt und hat ihren Sohn sehr umsorgt. Nichts ließ sie auf ihren Liebling kommen. Als ihr Sohn seine Tat beichtete, wollte sie ihn auch nicht gehen lassen, sondern lieber selbst noch für die Tat gerade stehen. Es riss ihr das Herz raus, zu sehen, dass ihr kleiner Schatz so aus seiner Rolle fiel. Ihre schützende Hand versuchte sie trotzdem noch über ihn zu halten. Aber: „…Recht muss Recht bleiben.“ Dem muss sich auch das neugefundene Liebespaar beugen. Der Film, der eine eigentlich simple Geschichte erzählt, lebt vom speziellen Charme der Protagonistin und ihrem Sex-Appeal, mit dem sie geschickt spielt und welches durch die Großaufnahmen ihres symmetrisch und perfekt erscheinenden Gesicht, Betonung findet. Asphalt versprüht Hollywoodatmosphäre und findet trotz des tragischen Endes doch eine Art Happy End: Else, die scheint, als würde sie nur existieren um ihren Charme bei Männern auszuspielen, um mit ihnen spielen zu können, ist zu echten Gefühlen fähig und bittet Holk nach ihrer Festnahme, auf sie zu warten. So wird die Illusion und die Sehnsucht nach einer erfüllten Liebe bedient. Am Ende siegt die Liebe sogar über Recht und Ordnung. In der Welt der Liebe zählen nur wahre Gefühle und nicht, was ein Mensch im Leben falsch oder richtig gemacht hat. Er wird hier nur nach dem beurteilt, für das sein Herz schlägt.


Retrospektive – Frida Kahlo

by Estefania

Drei bis vier Tage wollten wir unsere Hauptstadt unsicher machen. Ein Tag davon sollte fest reserviert sein für einen Besuch der Frida Kahlo Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Die Vorfreude war riesig. Doch der ursprüngliche Plan löste sich spontan in Luft auf, als die potentiellen Übernachtungsmöglichkeiten doch keine freien Kapazitäten mehr aufzuweisen hatte. Nach dem kurzen aber heftigen Schock musste eine Alternative her. Frida musste einfach gesehen werden. Besonders reizvoll macht diese Ausstellung die Möglichkeit Kunstwerke aus mexikanischen Privatsammlungen, nordamerikanischen Museen und private Fotos aus dem Familienbesitz besichtigen zu können. Werke, die innerhalb Europas wahrscheinlich nicht mehr in naher Zukunft gesammelt zu finden sein werden. Somit einfach ein Muss für jeden Kunstinteressierten, Frida Kahlo-Begeisterten oder Liebhaber rarer Sammlungen.

Im Vorfeld war schon bekannt, dass die Wartezeiten etwas länger ausfallen könnten, da das Interesse an der Ausstellung enorm hoch ist. Am 30. April war Ausstellungsbeginn, am 09. August besteht die letzte Chance sie zu besichtigen. Da wir uns nun in der Endphase befinden ist der Andrang verständlicherweise besonders stark. Wir richteten uns mental auch darauf ein. Der neue Plan unseres Berlintrips war nun ein kostengünstiges Wochenendticket. Hin- und Rückfahrt für 37 EUR und zwei Personen erschienen günstiger als ein normales Zugticket oder auch eine Mitfahrgelenheit. Gesagt, getan: Um 5 Uhr morgens ging es am Bahnhof los, kurz vor 10 waren wir in Berlin.

Die Sonne schien und wir gönnten uns nach der anstrengenden Fahrt einen Kaffee an der Spree. Noch eine Zigarette und dann könnten wir gemütlich losmachen. Unsere Rückfahrt ging erst in 8 Stunden. Das Museum fanden wir fast auf Anhieb. Wie erwartet befand sich eine ordentliche Menschenschlange vor dem Gebäude. Wir passierten sie noch relativ optimistisch bis zur Hälfte um zu sehen wie weit es wirklich bis zum Eingang war. Dort stießen wir jedoch auf ein großes Schild, auf dem der Hinweis stand: „Ab hier kann die Wartezeit ca. 4-6 h betragen.“ Das ließ uns erstmal die Kinnlade runterklappen. Zusammengerechnet mit der Masse davor würden wir auf 8, wenn nicht sogar 12 Stunden Wartezeit kommen. Das Horroszenario, wir bekämen nach 7 Stunden ein Ticket und müssten aber innerhalb von 20 Minuten wieder am Hauptbahnhof sein, bewog uns dazu schweren Herzens auf die Ausstellung zu verzichten und das beste aus dem Tag zu machen. Noch ein kurzes Abschiedsfoto und dann sahen wir uns die kostenlose Ausstellung „Topographie des Terrors“ an, die wenige Meter weiter war.

Danach ging es in Richtung Potsdamer Platz, wo wir gleich von einer netten Liveband auf der Verkehrsinsel begrüßt wurden. Weiter ging es zum Brandenburger Tor, dem Adlon Hotel und dann zum beeindruckenden Holocaust Denkmal, welches zur Erinnerung und dem Gedenken an die Ermordung von 6 Millionen Juden erbaut wurde.

Auf dem Rückweg zum Brandenburger Tor kamen etliche Paparazzi an uns vorbei gestürmt. Da ist sicher mal wieder jemand Berühmtes im Adlon abgestiegen. Dort angekommen sahen wir auch eine Polizeisperre am Hintereingang des Hotels, der auch noch immer von vier Polizisten belagert wurde. Zu sehen war aber nichts Spannendes. Da wir mit dem Wochenendticket auch kostenlos den kompletten Nahverkehr nutzen konnten, beschlossen wir Berlin den Rücken zu kehren und nach Potsdam zu fahren um etwas Ruhe im Schlosspark zu suchen. Davon war bei Ankunft aber noch rein gar nichts zu spüren. Menschenmassen tummelten sich rund um den Bahnhof und vor allem in den Straßenbahnen. Schnell erfuhren wir auch warum: es fanden die Weltmeisterschaften der Marching Show Bands statt. Wohl ein großes Ereignis, das dementsprechend Leute anzog. Uns blieb aber nichts anderes übrig als uns auch in eine der überfüllten Bahnen zu quetschen und bis zum Luisenplatz in die Nähe des Schlossparks zu fahren. Dort angekommen sahen wir auch schon die bunt gekleideten Spielmannszüge.

Auf Schloss Sanssouci fokussiert, passierten wir diese aber schnell und traten in den Schlosspark ein, in dem sich weit weniger Menschen aufhielten als in der Stadt. Wir ließen uns verzaubern vom Charme der Friedenskirche, des Chinesischen Teehauses, der Orangerie und natürlich des Hauptschlosses Sanssouci, sowie der etlichen Springbrunnden und akkurat geschnittenen märchenhaften Hecken und Beete. Ein Idyll, was seinesgleichen sucht. Das Positive daran vor allem: kaum Touristen, Ruhe, angenehmes Wasserplätschern und Umgebensein von Jahrhunderte alten Bäumen. Nach diesem Kontrastprogramm zur lebhaften Hauptstadt hätten wir fast die Zeit vergessen. Am Ende bekamen wir rechtzeitig unseren Zug um halb sieben und waren kurz vor elf auch wieder zu Hause. Ein turbulenter und aufregender Tag, der einiges an Kraft kostete aber uns so viel geschenkt hat obwohl wir unser eigentliches Ziel nicht umsetzen konnten. Das beste daran: alles Erlebte kostete jeden von uns gerade mal 20 EUR (inkl. Fahrtkosten, Speisen, Getränke). Ein traumhafter Tag, wenn auch ein großer Traum dafür nicht erfüllt werden konnte.


Persil im Nil II

by Estefania

Das nächste Ziel, das ich schon mit Freuden erwartete, sollte ein Nubierdorf sein. Die Nubier siedelten sich von Khartum, der Hauptstadt des Sudans, bis nach Assuan, am Nil an.  Sie haben ihre ganz eigene Sprache,  eigene Traditionen und ganz einge Architektur. Auf das Dort zufahrend stechen einem sofort die vielen kleinen buntbemalten Häuschen ins Auge. Sobald wir auf der anderen Seite des Nils angekommen sind, werden wir gebeten in den Innenhof eins ausgewählten nubischen Hauses zu treten und uns dort niederzulassen.

Nach einer kurzen Zeit bietet uns die Hausherrin verschiedene Sorten Tee an. Ahmed berichtet in dieser gemütlichen Kulisse vom Volk der Nubier und lädt uns anschließend ein, die im Innenhof gehaltenen Krokodile näher zu betrachten. Drei halbausgewachsene Tiere auf geschätzten 4 qm. Das wirft Fragen auf. Als ich Ahmed auf die Notwendigkeit dieser Krokodilhaltung anspreche, erfahre ich, dass diese Tiere beim nahegelegenen Staudamm gefangen und dann hier zur Erheiterung für die Touristen gehalten werden. Wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, würden sie angeblich wieder frei gelassen. Ich frage mich, wie groß diese Tiere wohl werden können, da sich hier schon ein paar sehr beachtliche Exemplare befinden. Im gleichen Moment sehe ich ein paar spanische Touristen, die sich mit größter Freude mit einer kleineren Ausgabe ablichten lassen. Klar ist es spannend solch einem gefährlichen Tier nahe kommen zu können, doch die Lebensbedingungen, die von einer „artgerechten Haltung“ meilenweit entfernt sind, sollten den Spaßfaktor auf Minus 25 fallen lassen. Ändern könnte an der Situation eventuell jeder Einzelne etwas, indem er den Halter der Tiere oder seinen Reiseführer darauf anspricht und  ihn darauf hinweist, dass er auf eine Unterhaltung dieser Art gerne zum Wohl der Tiere verzichtet.

Nachdem der Hof und die Dachterrasse des nubischen Hauses erkundet worden waren, verabschiedeten wir uns um einen kleinen Spaziergang durch das Dorf zu machen. Auch hier gab es viele Händler, die versuchten ihre Gewürze oder Figuren aus „Alabaster“ und Holz an den Tourist zu bringen. Nur waren sie hier etwas entspannter und weniger aufdringlich als üblich. Vielleicht passte sich der Lautstärkepegel aus Überlebensgründen aber auch dem raschen und meist sehr überraschenden Kamelverkehr an. In den engen Straßen, die von Händlern gesäumt werden, verkehren junge Männer auf ihren Kamelen und das in einer Geschwindigkeit, die mich einen sehr schnellen und beherzten Sprung zur Seite machen lässt. Adrenalinkick pur. Da blickt man verträumt hinter sich weil man Jemanden etwas Unverständliches rufen hört und sieht ein riesiges sich rasant fortbewegendes Etwas direkt auf sich zukommen. Da werden Erinnerungen an eine längst verdrängte beinahe Bekanntschaft mit einem Zug wach. Kaum ist der Schreck etwas verdaut, scheint das nächste Tier direkt auf mich zu zu laufen. Die einzige Möglichkeit einer einigermaßen entspannten Fortbewegung bietet sich darin, direkt neben den Händlern und Ständen zu laufen. Jetzt wittern diese ihre Chance, werden lauter und versuchen einem Tücher umzuhängen oder Figuren in die Hand zu geben, die sie einem „schenken“ wollen. Langsam erkenne ich hier eine sehr raffinierte Strategie. Dem Urlauber Todesangst bereiten, damit er zu den Händlerständen flüchtet und dort Waren kauft um nicht mehr den todbringenden Kreaturen in die Augen blicken zu müssen. Auf den Kamelen befinden sich teilweise wiederum zahlende Touristen, die von den Einheimischen zu den Todesritten ermutigt und angestachelt werden. Die Nubier erscheinen mir als extrem clevere Geschäftsmänner.

Nach diesem Ausflug in eine etwas andere Welt geht es zurück in Richtung Assuan. Auf dem Weg führt die Fahrt vorbei am Hotel Old Cataract, von dem eine leicht britisch akzentuierte Brise zu vernehmen ist. Schnell wird klar, dass dies der Ort sein muss, an dem Agatha Christie ihren berühmten Roman „Tod auf dem Nil“ geschrieben hat. Ahmed bestätigt die Vermutung.

Die Reise führt weiter gen Norden in Richtung Luxor.


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